Fundstück zur Alltagskultur in der DDR – Urlaub in Eisenach

In einem antiquarischen Buch über Eisenach vom  Brockhaus Verlag Leipzig, 1980, fanden wir folgende Aufstellung über die Kosten eines Urlaubs Anfang der 80er in Eisenach. Schon das Titelbild des Buches ist interessant: es zeigt verschiedene DDR-Autos und ein „Westauto“ auf dem Marktplatz in Eisenach vor der Kulisse des Eisenacher Rathauses. Aber diese Aufstellung scheint mir einer Veröffentlichung wert zu sein, weil sie ein interessantes Zeugnis für Alltagskultur in der DDR ist. Was hat man verdient, was hat man sich im Urlaub geleistet und was kosteten diese Dinge?
urlaub_eisenach_80er_klein

Bei einem Gehalt von 700 Mark (der DDR) musste man schon etwas sparen, um für einen Urlaub im Inland über 1.700 Mark ausgeben zu können. Die Preise für Pullover und Strickjacke oder Bac-Spray (ein Deospray) lassen daraus schließen, dass diese Dinge in einem „Exquisit“-Laden gekauft wurden – in einem normalen Bekleidungsgeschäft oder Drogerieartikel-Laden wären diese Waren nicht so teuer gewesen. Außerdem war Bac-Spray ein „Westimport“ oder vielleicht auch Gestattungsproduktion aus der DDR.  Im Urlaub aber wollte man sich auch etwas Besonderes leisten. Auch der Besuch der Nachtbar und der Tanzabende macht das deutlich.

Und dann gab es in anderen Städten manchmal andere Dinge als zu Hause, weil die Versorgung mit Waren in der Planwirtschaft nicht einheitlich war. Also konnte man im Urlaub schon mal einen Slip oder Socken oder Töpfe oder Vasen finden, die es so in dieser Art zu Hause in der eigenen Stadt nicht gab.

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Über uzeuner

Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Professur Deutsch als Fremdsprache der TU Dresden
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2 Antworten zu Fundstück zur Alltagskultur in der DDR – Urlaub in Eisenach

  1. Alexander Lasch schreibt:

    Immer wieder erstaunlich, der ausgewiesene „Schnaps 22,50“. Zum Thema Alkoholkonsum (und Suizidrate) in der DDR gäbe es eine Menge zu sagen.

  2. uzeuner schreibt:

    Ja, das stimmt. Schnaps gab es immer, in den unterschiedlichsten Sorten. Zu meiner Oberschulschulzeit Anfang der 70er Jahre kursierte unter uns Pennälern der folgende Text, der auch zum Thema Alkoholkonsum passt:

    Halb und Halb Johannesbeer,
    anfangs wenig, später mehr,
    Dry Gin, Harzer Grubenlicht,
    Nervenzucken im Gesicht.

    Kräuterschnaps und Sauerampf,
    hin und wieder Magenkrampf.
    Weinbrand, Wodka, Whisky pur,
    zwischendurch Entwöhnungskur.

    Spezi, Koks und Trinkbrandwein,
    Kreislaufstörung stellt sich ein.
    Kornverschnitt und Kirschlikör,
    langsam schwindet das Gehör.

    Sliwowitz und Enzian,
    mäßiger Verfolgungswahn.
    Jamaikarum, Kakao mit Nuß,
    Delirium und Exitus.

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