Gedanken zum Einsatz von E-Portfolios – Beurteilung, Bewertung

Dieser Text setzt die Gedanken zum Einsatz von E-Portfolios im Wintersemester 2013/14 fort.

Zur Bewertung von Portfolioaufgaben schreibt Andrea Lißner in ihrer Masterarbeit folgendes:

„Zu den einzelnen Aufgaben werden situationsabhängig Bewertungsraster und Beurteilungsmaßstäbe entwickelt, die sich an dem Vorwissen der Studierenden orientieren. Um der Prozessorientierung gerecht zu werden, wird zu großen Teilen nach der individuellen Bezugsnorm bewertet. Die Reflexionen werden nicht nach ihrem fachlichen Inhalt bewertet, sondern nach dem Grad der Abdeckung aller relevanten, zu reflektierenden Aspekte.

Zusätzlich zu den aufgelisteten Artefakten wird auch das Abgeben von Peer- Feedback in die Bewertung einbezogen. Grundlage für die Bewertung des Feedbacks ist die Entwicklung einer Feedback-Kultur über die Seminarzeit hinweg. Es wird nicht der Inhalt von Lob oder Kritik bewertet, sondern die Fähigkeit des Einzelnen Vorzüge und Nachteile einer Arbeit eines anderen herauszuarbeiten und schriftlich darzulegen.“ (Lißner 2013, S. 79)

Hier finden sich einige Anregungen, die ich für mein Seminar übernehmen kann, andere Vorschläge passen für mein Seminar so nicht. Die Überlegungen zur Bewertung der Reflexionen und des Peer-Feedbacks halte ich für übernehmbar. Beurteilungsmaßstäbe, die sich am Vorwissen der Studierenden orientieren, sind in meinem konkreten Fall jedoch sehr schwierig zu bestimmen, da die beiden für das Projekt ausgewählten Seminare zu Aspekten des Faches Deutsch als Fremdsprache offen für unterschiedliche Studiengänge und auch Austauschstudenten (z.B. ERASMUS) sind. Ob wohl es sich um Überblicksseminare, also eine Art Einführung ins Fach handelt, kann das Vorwissen der Teilnehmenden also sehr unterschiedlich sein und ist für jeden Einzelnen auch nicht feststellbar. Fachlicher Maßstab für die Bewertung sollte hier deshalb also das angestrebte Überblickswissen zum Fach und die Fähigkeit sein, dieses Wissen angemessen darzustellen bzw. anzuwenden.

Eine Einschätzung der Zwischenergebnisse nach der individuellen Bezugsnorm halte ich für gut und motivierend für die Lernenden, die dadurch die Einschätzung ihres eigenen Lernfortschritts durch andere besser nachvollziehen können. Allerdings wird am Ende als Leistungsnachweis eine Note stehen müssen, die eher eine sachliche, kriteriumsorientierte Bezugsnorm erfordert. Eine formative Evaluation nach der individuellen Bezugsnorm wäre am Ende durch eine summative Evaluation zu ergänzen, in die die Zwischenergebnisse der formativen Evaluation einfließen sollten.

Die Möglichkeit einer formativen Evaluation durch Portfolioarbeit hebt Werner Stangl in seinen Arbeitsblättern hervor als Chance, Leistungen von Lernenden anders zu bewerten als allgemein üblich.

„Anhand des Portfolios können dialogische Prozesse der Reflexion und Bewertung stattfinden, die den Lernprozess tragen und stützen. Sie werden ein inneres Moment des Lernens und auch selbst Lernziel, denn es geht nicht zuletzt darum, die Fähigkeit der Lernenden zur Beurteilung ihrer eigenen Lernarbeit und zur Steuerung ihres Lernens zu entwickeln. Die punktuelle Überprüfung von Wissen bzw. von einzelnen Produkten wird dadurch zwar nicht überflüssig, sie kann aber zurücktreten“ (Stangl 2013).

Der Beurteilungs- und Bewertungsprozess der Zwischenergebnisse wird, so Stangl, „in der Regel partizipativ und kommunikativ angelegt. Somit findet zwischen Lehrenden und Lernenden ein Austausch über die Beurteilungen auf der Grundlage gemeinsam entwickelter Raster statt, der sich auch auf das soziale Klima auswirkt“ (Stangl 2013).

Die Beurteilungskriterien hängen, so Stangl weiter, von den erarbeiteten Zielvorgaben ab. Das macht noch einmal deutlich, wie wichtig am Anfang des Seminars in der ersten Sitzung die vom Dozenten und den Studierenden gemeinsam zu erfolgende Klärung der Ziele der Portfolioarbeit und der fachlichen Ziele im Seminar ist.

Die folgenden Beurteilungskriterien orientieren sich an den Beurteilungskriterien für Portfolios, die Stangl (2013) nennt. Sie  könnten meiner Meinung auch für die Beurteilung der Portfolioarbeit im Seminar angewendet und sollten mit den Studierenden in der ersten Sitzung diskutiert werden:

  • Wie weit wird im Portfolio eine reflexive Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen des Seminars sichtbar?
  • Wie weit wird die Auswahl und Ordnung von Artefakten reflektiert und begründet
  • Wird der Lernprozess hinreichend dokumentiert?
  • Entwickelt die Studentin/der Student eine hinreichende Fähigkeit zur Selbstbeurteilung (Metakognition) im Rahmen des Lernprozesses?
  • Wie weit ist im Portfolio eine wachsende Fähigkeit zur Selbstorganisation des Lernens erkennbar?
  • Ist bei der Erstellung des Portfolios eine besondere Gewissenhaftigkeit und Ordentlichkeit erkannbar? (vgl. Stangl 2013).

Diese Kriterien korrespondieren auch in Teilen mit einigen Kriterien zur Bewertung von Reflexionen, die in Fahrner (2013) zu finden sind und die ebenfalls ergänzend mit den Studierenden diskutiert werden können:

  • „Auswahl von Material (z. B. relevantes Material – alles, was mit dem gesetzten Zweck und der Zielgruppe zusammenhängt, sorgfältig ausgewählt, zum Sammeln von eindeutigen Pluspunkten geeignet, keine unfertigen oder trivialen Materialien).
  • Reflexionsniveau (zeigt z. B. tieferes Verständnis, illustriert Selbsterkenntnis und Wachstum, enthält Feedback von anderen und Reaktion darauf).
  • Inhalt (zeigt z. B. beträchtliche Überlegungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg, ist in den Kontext eingebettet, zeigt Persönlichkeit und Nachdenken, alle Texte sind korrekt)“ (Fahrner 2013).

In Fahrner werden dann noch als Kriterien der Einsatz von Multimedia, das Design und die Navigation genannt. Diese Kriterien lassen sich für das geplante Seminarportfolio nicht übernehmen, weil zum einen Design und Navigation durch OPAL vorgegeben sind und zum anderen das Ziel des Seminars nicht darin besteht, multimediale Inhalte herzustellen, sondern sich reflexiv und zunehmend selbstständig grundlegende Aspekte des Faches Deutsch als Fremdsprache zu erarbeiten. Wenn Studierende ihre Reflexionen mit multimedialen Inhalten anreichern wollen, ist ihnen das selbstverständlich freigestellt.

Literatur

Fahrner, Ulrich (2013); Medienlabor der Universität Augsburg: Kurs „Service Learning – Soziales Lernen in Schule, Hoch­schule und Weiterbildung“, angeboten an der virtuellen Hochschule Bayern . Kapitel 5.3.4 Beurteilungskriterien für Reflexionen: Online am 15.08.2013 unter http://service.e-learning.imb-uni-augsburg.de/node/1732

Lißner, Andrea (2013): Masterarbeit: E-Portfolios an der Technischen Universität Dresden. Durchführung einer explorativen Studie zur Erhebung des Status quo und Gestaltung eines Einsatzszenarios im Bereich der bildungstechnologischen Ausbildung von Lehramtsstudierenden: Online am 15.08.2013 unter http://tudfolio.files.wordpress.com/2013/04/2012-12-12_ma_a_lissner_mitcc.pdf

Stangl, Werner (2013): Werner Stangls Arbeitsblätter: Portfolio: Online am 15.08.2013 unter http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PRAESENTATION/portfolio.shtml

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Über uzeuner

Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Professur Deutsch als Fremdsprache der TU Dresden
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