Stefan Heidenreich: Über Universität

Ein interessantes Fundstück:

Stefan Heidenreich: Über Universität;  ISBN: 978-3-88396-269-6
 (Buch ist angekündigt)

„Weit entfernt von der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, der Universitas Magistrorum et Scholarium, als die sie einst gegründet wurde, widmet sich die Universität von heute zusehends der Massenproduktion effizienter Idioten. Als Ort des Denkens und als Institution der Wissenschaft steht sie in Frage, seit ein neues Wissen im Netz lebendig wird. Mehr als alle anderen Fächer sind die Geisteswissenschaften betroffen. Seit um 1800 Theologen umgeschult wurden, um den neuen Bürgerstaaten als Lehrer und Beamte zu dienen, kranken sie an einer theologischen Sperre. Denn die Bibel musste nie geschrieben, sondern nur gelesen werden. Seither lernen Akademiker nicht schreiben und machen, sondern bloß lesen, hören oder sehen. Die Beschränkung auf Rezeption, Interpretation und Historisierung und die Trennung von Praxis und Theorie wirkt angesichts einer Kultur der Partizipation im Netz zusehends überholt. Andere Disziplinen haben längst das Potenzial der Kultur entdeckt, so Teile der Ökonomie und der Informatik oder auch die Kunst. Die Geisteswissenschaften können bestehen, wenn es ihnen gelingt, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen. Das verlangt Dreierlei:

– Wissen auf mögliches Handeln auszurichten. – Kultur als wirtschaftliches Feld ernst zu nehmen, wie kritisch auch immer. – Sich im Netz zu verorten und dort neue Formen des Lehrens und Wissens zu erfinden.“

Stefan Heidenreich (*1965 in Biberach a. d. Riss), lebt als Autor, Kunstkritiker,Kultur- und Medienwissenschaftler in Berlin (www.stefanheidenreich.de).

Sicher provokant, aber darüber könnte/sollte man diskutieren: Auswirkungen von Bologna; Auswirkungen des Web 2.0 auf Lernen und Lehren und Universität (heute in den Konsequenzen sicher noch gar nicht zu überblicken), Konsequenzen daraus. Oder solche Fragen, wie Martin Linder sie stellt: „Was ist der Zustand unserer Universitäten nach dem Bologna-Prozess, und wie gut sind sie wirklich aufgestellt für den digitalen Klimawandel? Und warum sind sie unreformierbar? Was ist das wirkliche Problem, jenseits des veralteten Konflikts von „guter alter Elite-Universität“ und neoliberalem Paukstudio?“ (http://titanpad.com/mikrobuch-proposal4 am 29.08.2012).

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Über uzeuner

Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Professur Deutsch als Fremdsprache der TU Dresden
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